Donnerstag, 21. Oktober, 2021
Feuilleton

Mehr Licht

Von Stefan Matuschek

Die Romantik findet man nicht in der deutschen Seele, sondern im Austausch der europäischen Literatur. Mit Goethe lässt sich das besser verstehen. Zur Eröffnung des Deutschen Romantik-Museums in Frankfurt am Main

In diesem September öffnete in Frankfurt am Main das erste *Deutsche Romantik-Museum*. Warum in Frankfurt und nicht in den historischen Romantiker-Städten Jena oder Heidelberg? Der Grund dafür hat einen Namen, einen berühmten: Johann Wolfgang von Goethe. Das …

Verblüffende Parallelen

Von Guido Kemmerling und Jan Kantorczyk

Romantik-Ausstellung in Moskau – eine Rückschau und ein Ausblick

Ein warmer Samstagabend im Moskauer Sommer. Im Gorki-Park herrscht buntes Leben. Viele Menschen flanieren oder treiben Sport, unterhalten sich, lachen oder schauen auf die vorbeifließende Moskwa. Doch trotz des guten Wetters ist auch die Romantik-Ausstellung in der benachbarten Tretjakow-Galerie außerordentlich gut besucht. Jung und Alt möchten in den abgedunkelten Räumen die Bilder der romantischen Maler aus Deutschland und Russland betrachten – …

Niemand wollte sich vereinigen

Von Leonid Mletschin

Für eine kurze Zeit, zwischen dem Tod Stalins und der endgültigen Machtübernahme Chruschtschows, wollte Lawrenti Beria die beiden deutschen Staaten wiedervereinigen. Die Geschichte ist verwickelt

Im Sommer 1953 begannen in Ost-Berlin Ereignisse, die die DDR in ihren Grundfesten erschütterten: Die mit ihrem Leben unzufriedenen Arbeiter – das Rückgrat der Regierung – revoltierten gegen die kommunistische Regierung!

In Moskau war man alarmiert. Am 2. Juni wurden Walter Ulbricht, Generalsekretär des Zentralkomitees …

Europa in all seiner Vielfalt

Von Zelfira Tregulowa und Walter Smerling

Im alten Flughafen Tempelhof in Berlin wurde unter Schirmherrschaft der Stiftung Petersburger Dialog das Ausstellungsprojekt „Diversity United“ zur Präsentation der modernen Kunst Europas eröffnet

Die europäische bildende Kunst spiegelt die ganze Vielfalt des Projekts Europa wider: die Suche nach Identität, die Widersprüche, Zweifel, Risiken und Chancen, die sich in Gegenwart und Zukunft immer wieder neu ergeben. Kunst besitzt die Fähigkeit, als Katalysator für Integration und Dialog zu wirken. Diese Eigenschaft …

„Und es beginnt in meiner Hand, wie damals, aufzutauen“

Von PD

Je mehr Widerstand, desto größer die Spannung: Eine Anthologie der zeitgenössischen russischen Dichtung in deutscher Übersetzung

*Petersburger Dialog*: Tolstoi, Dostojewski, Tschechow. Vermutlich erschöpft sich mit diesen Namen die Kenntnis der russischen Literatur beim durchschnittlichen europäischen Lesepublikum. Weit weniger Menschen kennen Puschkin, geschweige denn die heutige russische Literatur, insbesondere die Poesie. Alexander Nitzberg, der bekannte und vielfach prämierte Lyrikübersetzer (unter anderem für seine Übertragung des Romans „Meister und Margarita“), wollte diese

Überraschung: Beethoven und Russland

Von Klaus Harer

Pjotr Iljitsch Tschaikowski bekam von seinem Lehrer Anton Rubinstein für seine Abschlussprüfung am Petersburger Konservatorium eine wahrhaft furchterregende Prüfungsaufgabe: Er sollte eine russische Kantate auf Friedrich Schillers „Ode an die Freude“ schreiben. Innerhalb eines Monats schuf Tschaikowski ein Werk mit dem Titel „An die Freude“ für Solisten, Chor und Orchester, das kurz darauf, im Dezember 1865, im Konservatorium aufgeführt wurde. Tschaikowski ließ die Kantate unveröffentlicht, denn, so schrieb er noch …

Enttäuschend: Werner Herzogs Film „Gorbatschow – Eine Begegnung“

Von Michail Trofimenkow

Von Werner Herzog, dem Rhapsoden der Abenteurer und Tyrannen, erwartet man einen so braven Film zuletzt. „Gorbatschow – Eine Begegnung“, so der Titel, wirkt wie ein Kapitel aus einem Geschichtslehrbuch. Vielleicht zum ersten Mal spielte Herzog, der sein Leben lang gegen alle nur möglichen Regeln aller künstlerischen und politischen Spiele verstoßen hat, nach Regeln, noch dazu nach den Regeln des Fernsehjournalismus.

Auch die russischen Zuschauer müssen enttäuscht sein, schließlich haben …

Der Star der Deutschen Oper am Rhein: Maria Kataeva

Von Daria Boll-Palievskaya

Wie kommt ein Mädchen aus einer fernen sibirischen Industriestadt, in der es nicht einmal ein Opernhaus gibt, auf die Idee, Opernsängerin werden? Kurz und bündig antwortet Maria Kataeva ihren Kolleginnen und Kollegen an der Deutschen Oper: „Das wusste ich bereits mit vier Jahren.“

Wenn die Bewohner ihrer Heimatstadt Nowokusnezk klassische Musik hören möchten, müssen sie acht Stunden mit dem Zug nach Nowosibirsk fahren. Aber was bedeuten schon Entfernungen, wenn man …

Der Kulturgutraub durch die Deutschen im Zweiten Weltkrieg

Von Corinna Kuhr-Korolev

Ganz entzückt notierte der deutsche Kunsthistoriker  Werner Körte während des Kriegs in der durch die Wehrmacht besetzten russischen Stadt Pskow einige einfühlsame Sätze über ein Gemälde. „Ein süßes Gesichtchen (…), in marmorner Klarheit die Form, aber doch warmer Teint, von dem die schwarzen Löckchen kräftig abstehen. Klassische Nase und feiner sinnlicher Mund. Die warm schimmernde Brust ist weit herab entblößt, (…) Die zarte rechte Hand hält eine seidene himmelblaue Schärpe …

Hohe Selbstmordrate in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion

Hohe Selbstmordrate in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion
Von Aleksei Markow

Leonid Grigorjew, Professor an der Higher School of Economics in Moskau, und die Doktorandin Ljubow Popowez haben sich einer interessanten, wenngleich traurigen Aufgabe gestellt: Sie haben Morde und Selbstmorde in 157 Ländern der Welt untersucht und über ihre Ergebnisse eine „Sociology of individual tragedies“ veröffentlicht. Die Ergebnisse für Russland und Deutschland sind überaus erhellend.

Selbsttötung definieren die Autoren als – persönliches oder berufliches – „Scheitern im Leben“, Tötungsdelikte dagegen als …