Montag, 14. Oktober, 2019

Wir müssen gesprächsfähig bleiben

Von Detlef Prinz

Ich bin überzeugter Atlantiker – und zwar Lebens-Atlantiker. Schon 1973 flog ich in die USA und konnte mit allen mir wichtigen Gesprächspartnern offen diskutieren. Die Vielfalt des demokratischen Amerikas hat mich geprägt – bis heute. Meine Gesprächspartner waren damals: die auf Gleichberechtigung drängende Bewegung der Schwarzen, die vielen minorities in diesem Riesenland, und mit Herbert Marcuse habe ich mich in Berkeley getroffen. Ich habe später in den USA studiert. 1987 zur 750-Jahrfeier Berlins habe ich gemeinsam mit dem Vizepräsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin Alexander Longolius 250 Jugendliche aus allen Staaten der USA für zehn Tage eingeladen – privat finanziert. Begegnungen, die mir bis heute in bester Erinnerung sind und Grundlagen für langjährige Freundschaften waren.

Die Offenheit der amerikanischen Gesellschaft hat mich sehr früh schon beeindruckt und begeistert mich bis heute. Das Bekenntnis zu Amerika ist stets auch ein Bekenntnis zu seiner unglaublichen Vielfalt, Offenheit, technologischen und kulturellen Kreativität. Sie ist und bleibt der Referenzpunkt in meinem Leben. Mich erfüllen die vielen Begegnungen mit amerikanischen Gesprächspartnern mit großer Dankbarkeit.

Auch deshalb versuche ich seit 2004 mit der Herausgabe der Atlantic Times und der German Times als erste deutsche Zeitung in englischer Sprache in den USA mit den dort entscheidenden Verantwortlichen und Multiplikatoren ein Dialogforum zu schaffen, weil die Fähigkeit zum Gespräch gerade in einer globalisierten Welt und Zeit unerlässlich ist.

Dieser Erhalt von umfassender Dialogfähigkeit ist auch der Grund, der mich in Absprache mit Ronald Pofalla vor zwei Jahren zur Gründung und Entwicklung der Zeitung Petersburger Dialog geführt hat. Sie erscheint in Deutschland als Beilage in der Berliner Morgenpost – einer renommierten Tageszeitung in Berlin – und in Moskau in russischer Sprache als Beilage in der angesehenen Zeitung Kommersant.

 Inzwischen ist der Petersburger Dialog den journalistischen Kinderschuhen entwachsen und eine Plattform für den deutsch-russischen Austausch zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft.

Um diese Dialogfähigkeit zwischen Russland und Deutschland geht es mir. Wir müssen gerade als Land in der Mitte Europas gesprächsfähig sein, uns austauschen im besten Wortsinn und auch Verständnis füreinander entwickeln.

Für mich ist Russland geostrategisch ein originärer Partner, und noch heute bin ich fasziniert von Katharina der Großen aus Zerbst in Sachsen-Anhalt, die dem Land ähnlich wie George Washington in den USA eine Ordnung und Richtung gab. In diesem Sinn von „Richtung und Ordnung“ in einer – wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier es vor Jahren schon bemerkte – „aus den Fugen geratenen Welt“ muss es uns bei unserem Austausch gehen.

Mein Appell an alle Beteiligten des Gesprächsforums „Petersburger Dialog“ ist: Lasst uns mit Leidenschaft und Augenmaß über die anstehenden Probleme in der globalisierten Welt offen und streitbar diskutieren.

Dann – davon bin ich überzeugt – wird es für die Menschen in beiden Ländern eine gute Zukunft geben.

Detlef Prinz
ist Verleger dieser Zeitung.