Sonntag, 15. Dezember, 2019
Politik & Wirtschaft

Originelle Antisanktionen: Das Gesprächsforum „Petersburger Dialog“ als Vorbild

Originelle Antisanktionen: Das Gesprächsforum „Petersburger Dialog“ als Vorbild
Von Pavel Aprelev

Der Dekan der Wirtschaftsfakultät der Staatlichen Universität Moskau, Aleksandr Ausan, wagte einen Blick in die Zukunft: „Erfolgreich sind die Länder, in denen die patriotisch gestimmten Eliten über einen Horizont von 20 Jahren hinausblicken können“, sagte er. „Menschen unterscheiden sich im Allgemeinen nicht durch ihre Ansichten, sondern dadurch, wie weit diese reichen.“

Natürlich wäre Klarheit über 20 Jahre im Voraus nicht schlecht. Für die russisch- deutschen Beziehungen allerdings wäre wichtiger, heute …

Wir müssen gesprächsfähig bleiben

Wir müssen gesprächsfähig bleiben
Von Detlef Prinz

Ich bin überzeugter Atlantiker – und zwar Lebens-Atlantiker. Schon 1973 flog ich in die USA und konnte mit allen mir wichtigen Gesprächspartnern offen diskutieren. Die Vielfalt des demokratischen Amerikas hat mich geprägt – bis heute. Meine Gesprächspartner waren damals: die auf Gleichberechtigung drängende Bewegung der Schwarzen, die vielen minorities in diesem Riesenland, und mit Herbert Marcuse habe ich mich in Berkeley getroffen. Ich habe später in den USA studiert. 1987 …

Kein Totalverbot

Kein Totalverbot
Von Anna Veronika Wendland

In der Ausgabe Mai (#9) des Petersburger Dialogs ist ein Beitrag des russischen Chefredakteurs dieser Zeitung Viktor Loschak erschienen: „Geisel der Hoffnung“.

Anna Veronika Wendland, Forschungskoordinatorin in der Direktion des Herder-Instituts für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft in Marburg, wandte sich in einem Brief an die Redaktion, um Loschaks Vorwurf eines „Totalverbots der russischen Sprache“ in der Ukraine zu widersprechen. Wir dokumentieren ihr Schreiben – und die Antwort Viktor …

Verdrehte Zungen

Verdrehte Zungen
Von Viktor Loschak

In der Ausgabe Mai (#9) des Petersburger Dialogs ist ein Beitrag des russischen Chefredakteurs dieser Zeitung Viktor Loschak erschienen: „Geisel der Hoffnung“. Anna Veronika Wendland, Forschungskoordinatorin in der Direktion des Herder-Instituts für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft in Marburg, wandte sich in einem Brief an die Redaktion, um Loschaks Vorwurf eines „Totalverbots der russischen Sprache“ in der Ukraine zu widersprechen. Wir dokumentieren ihr Schreiben – und hier die Antwort …

In Chisinau betrieben Russland, die EU und die USA einen Machtwechsel ohne Blutvergießen. Auf die Frage der Wiedervereinigung mit Transnistrien geben der Kreml und der Westen allerdings gänzlich verschiedene Antworten

Von Vladimir Soloviev

Moldau wird nur selten große Aufmerksamkeit zuteil. Doch kürzlich richteten Moskau, Brüssel und Washington nicht nur ihr besonderes Augenmerk auf das Land im Südosten Europas, sondern es wurde zur Bühne für gemeinsamen Aktivitäten: Vereint beseitigten sie das scheinbar unerschütterliche Regime des zwielichtigen Oligarchen Vladimir Plahotnyuk, der seit 2015 als Alleinherrscher in Moldau regiert hatte, binnen einer Woche.

Dieses Finale hat seine Vorgeschichte. Ohne sie zu betrachten kann weder die Schädlichkeit …

Entgegen aller Abgesänge, die Bundeskanzlerin weigert sich, wie ein Auslaufmodell zu agieren

Von Lutz Lichtenberger

Keine Frage, Angela Merkels Amtszeit neigt sich dem Ende entgegen. Im Dezember 2018 gab sie den Parteivorsitz auf. Die große Koalition, die seit sechs Jahren regiert – und in elf Jahren seit 2005 – erscheint wie ein zerstrittenes Paar, das sich innerlich schon auf die Scheidung eingestellt hat und nur noch über den günstigsten Gerichtstermin nachdenkt. Das Gefühl der unglücklichen Beziehung überwiegt die Tatsache, dass es auf der Arbeitsebene durchaus …

Weshalb fast alle Machthaber in Russland sich ihr eigenes Grundgesetz schufen und dessen Geist und Buchstaben niemals wörtlich zu verstehen sind

Von Leonid Mletschin

Manchen Ländern reichte eine Verfassung. Bei uns jedoch setzt fast jeder Machthaber seine eigene ab. Die erste wurde unter Lenin verabschiedet. Stalin bevorzugte eine neue. Chruschtschow wollte sie ändern, doch er kam nicht dazu. Aber Breschnew, der machte sich das Vergnügen. Andropow und Tschernenko waren zu kurz am Ruder. Gorbatschow konnte auch nicht so schnell an die Verfassung ran. Dafür legte sich Jelzin eine eigene zu. Aber schon längst sagen …

Der Fall Iwan Golunow kann nicht als abgeschlossen gelten, aber die Abwehrreaktion ist ein großer Sieg der russischen Zivilgesellschaft

Von Viktor Loschak

Es geht um fünf Päckchen mit jeweils wenigen Gramm Drogen. Es ist nicht schwer, jemandem eine derart winzige Menge in die Aktentasche, den Rucksack oder die Handtasche zu schmuggeln.

Fast die Hälfte aller verurteilten Straftäter in Russland sind wegen Verstoßes gegen die Drogengesetze inhaftiert. Nach offizieller Statistik wurde der größte Teil dieser Menschen mit exakt der Menge Drogen ertappt, die für eine Verurteilung ausreicht.

„Wir sind Iwan Golunow“, stand in …

Fossile Energieträger haben Wohlstand, Technik und Politik getrieben, aber auch neue Abhängigkeiten und Möglichkeiten der Kriegsführung und Zerstörung geschaffen. Jetzt kommt es darauf an, Rohstoffökonomien zu High-Tech-Standorten zu transformieren.

Von Benjamin Steininger

Mitten im Zweiten Weltkrieg, 1944, veröffentlichte der russische Biogeochemiker Wladimir Iwanowitsch Wernadski (1863-1945) eine letzte Schrift: „Einige Worte über die Noosphäre“. Wissenschaft und Technik bildeten, so Wernadski, innerhalb der Biosphäre eine neue, geohistorisch wirksame Schicht, die Noosphäre. „Wissen ist keine Energieform“, aber der Mensch sei, und der Weltkrieg zeige dies auf drastische Weise, zur „größten geologischen Kraft“ geworden.

Wernadskis Diagnose wird heute breit diskutiert. Klimakrise und Biodiversität sind nur zwei …

Beim Schutz von geistigem Eigentum in der pharmazeutischen Industrie entscheiden russische Gerichte meist zugunsten russischer Unternehmen. Nun ist Bayer betroffen

Von Maria Kotova

Das deutsche Pharma-Unternehmen Bayer hat Pläne zur Herstellung des Krebspräparats Nexavar in Russland auf Eis gelegt, nachdem trotz wirksamen Patentschutzes ein vergleichbares Arzneimittel auf den russischen Markt gekommen ist. In einem bisher fast eineinhalb Jahre währenden Rechtsstreit haben russische Gerichte gegen das deutsche Unternehmen entschieden. Der Streit dauert an.

Das Medikament Nexavar wird unter anderem zur Behandlung von Nierenzellkarzinomen eingesetzt. Diese Krebsform ist eine der am meisten verbreiteten Formen. Weltweit …