Sonntag, 15. Dezember, 2019
Feuilleton

Haben die Westalliierten einen unangenehmen Abschiedsbrief von Rudolf Heß unterschlagen?

Von Andrej Plotnikow

Das Urteil des Internationalen Militärgerichtshofs in Nürnberg gegen Rudolf Heß lautete auf lebenslänglich. Gemeinsam mit sechs weiteren Hauptkriegsverbrechern der NSDAP wurde der „Stellvertreter des Führers“ am 18. Juli 1947 in einem Flugzeug der britischen Royal Air Force nach Berlin gebracht. Am Flughafen stiegen sie unter schärfster Bewachung in einen Bus, der sie in ein Gefängnis im Westen von Berlin fuhr, das von diesem Zeitpunkt an den Namen Kriegsverbrechergefängnis Spandau tragen …

Wie Fake News entstehen und was die Medien aus dem Fall Relotius lernen können – deutsche wie russische gleichermaßen

Von Artem Sokolov

Im Dezember 2018 erlebten die deutschen Medien wohl einen der aufsehenerregendsten Skandale der neueren Geschichte. Der Spiegel-Reporter Claas Relotius legte ein schockierendes Geständnis ab: Ein wesentlicher Teil der von ihm verfassten Artikel enthalte mehr oder weniger zweifelhafte bis vollständig erfundene Fakten. Zu dieser Erklärung zwang ihn das Ergebnis der Recherche seines Kollegen Juan Moreno, der Relotius nachwies, dass er in seiner Reportage über amerikanische Bürgerwehren an der Grenze zwischen …

Seit mehr als 70 Jahren werden Sprachmittler in Leipzig ausgebildet, doch der letzten Akademikerschmiede für Russisch-Dolmetscher in Ostdeutschland droht das Aus

Seit mehr als 70 Jahren werden Sprachmittler in Leipzig ausgebildet, doch der letzten Akademikerschmiede für Russisch-Dolmetscher in Ostdeutschland droht das Aus
Von Winfried Mahr

Russisch-Übersetzer sind sehr gefragt, aber deren akademische Ausbildung Sachsen könnte bald vorbei sein. Der letzten Ausbildungsstätte für Russischdolmetscher in den neuen Bundesländern droht das Aus. Noch wird nach einer Lösung gesucht, um den traditionsreichen Sprachschwerpunkt Russisch am Leipziger Institut für Angewandte Linguistik und Translatologie (IALT) nach mehr als sechs Jahrzehnten nicht für immer verstummen zu lassen.

In einer Online-Petition an das Uni-Rektorat warnen angehende Russisch-Dolmetscher vor der Schließung als „Rückschritt …

Persönlichkeitswerdung: Oleg Senzow gibt Einblicke in seine Kindheit und Jugend

Persönlichkeitswerdung: Oleg Senzow gibt Einblicke in seine Kindheit und Jugend
Von Peter Koepf

Seit bald fünf Jahren ist Oleg Senzow Gefangener des Landes, das seine Heimat annektiert hat, die Krim. Das Urteil gegen den Filmregisseur und Autor am 25. August 2015 lautete: 20 Jahre Straflager. Es erging, wie der ukrainische Schriftsteller Andrej Kurkow im Vorwort von Senzows Buch „Leben“ schreibt, „vor allem dafür, „dass er, ein ethnischer Russe und Bewohner der Krim, es gewagt hatte, mit der Annexion seiner Heimat nicht einverstanden zu …

Los von Moskau: In der Ukraine formiert sich eine neue orthodoxe Kirche, für das Moskauer Patriarchat ist das Häresie

Los von Moskau: In der Ukraine formiert sich eine neue orthodoxe Kirche, für das Moskauer Patriarchat ist das Häresie
Von Gerhard Gnauck

Die größten Schätze der orthodoxen Christenheit sind – viele Touristen wissen das – die prächtigen Lawra-Klöster. Die Russische Orthodoxe Kirche verfügt über fünf dieser Lawras. Solange der russische Machtbereich expandierte, vom kleinen Großfürstentum Moskau bis zur späten Sowjetunion, kamen immer neue Klöster und Gotteshäuser zum Besitzstand dieser Kirche hinzu. Doch mit dem Ende des Zarenreichs und erst recht jenem der Sowjetunion zog sich die Staatsgrenze, bildlich gesprochen, hinter die Klostermauern …

Die Heimat, die Schöne: Ein Film über Russland zeigt das größte Land der Erde in atemberaubenden Luftaufnahmen – ganz ohne Politik

Die Heimat, die Schöne: Ein Film über Russland zeigt das größte Land der Erde in atemberaubenden Luftaufnahmen – ganz ohne Politik
Von Daria Boll-Palievskaya

Millionen Zuschauer haben in Deutschland die Dokuserie „Russland von oben“ gesehen. In Russland ist die 90-minütige Fassung im April als Eröffnungsfilm des Moskauer Internationalen Dokumentarfilm-Festivals DOKer gelaufen.

Neun Monate Vorbereitungszeit, neun Monate Dreharbeiten, 600 Stunden Filmmaterial, tausende Kilometer Hubschrauberflüge – daraus entstanden ist eine „optische Poesie vom Feinsten“, „ein Kunststück“, „ein ambitioniertes Werk“, ein „einzigartiges Projekt“ – deutsche und russische Kritiker überboten sich gegenseitig mit Superlativen. Zu Recht, denn der …