Dienstag, 19. November, 2019
Feuilleton

Die Restauration des Kusses – Dmitri Vrubel über sein weltbekanntes Gemälde in der East Side Gallery

Von Andrei Archangelski

Seit dreißig Jahren ist die Mauer weg, aber sie ist noch immer da. Viele Ostdeutsche denken voller Nostalgie an die DDR. Genau wie im heutigen Russland, wo sehr viele Menschen sich die UdSSR zurückwünschen. Damals schien alles evident, man glaubte, man müsse nichts erklären. Aber 30 Jahre später weiß man: Man muss den Menschen immer wieder erklären, was die Freiheit kostet.

Eine der wichtigsten „Erklärungen“ dieser Art ist die Arbeit …

‚Es ist fatal, Kultur für politische Zwecke zu instrumentalisieren’ – ein Interview mit der Leiterin des Goethe-Instituts Moskau

Von Galina Dudina

Heike Uhlig, Leiterin des Goethe-Instituts Moskau und der Region Osteuropa und Zentralasien über die anhaltende Nachfrage nach Deutschkursen und die Verunsicherung vieler Partner wegen des Gesetzes über „ausländische Agenten“

Das Goethe-Institut ist in Russland eine bekannte Marke. Aber nicht alle wissen, was genau Sie tun. Was also tun Sie?

Das Goethe-Institut ist das Deutsche Kulturinstitut. Die drei Säulen unserer Arbeit sind Sprache, Kultur, Deutschland. Zum einen vermitteln wir in Sprachkursen …

Vierundzwanzig Jahre später besucht Alexandra Rojkov ihr Asylbewerberheim von einst

Von Alexandra Rojkov

Das Gelände war so schäbig, dass wir erschraken, als wir es sahen. Ein spitzer Metallzaun, dahinter flache Gebäude, mehr grau als weiß. Im Innenhof stapelte sich Müll, dunkelhäutige Männer stritten in einer Sprache, die wir nicht kannten. Einige der Männer kamen näher und sahen uns an. Sie waren Flüchtlinge. Genau wie wir.

Der Plattenbau hinter dem Zaun war unser erstes Zuhause in Deutschland. Eine eingezäunte Baracke auf freiem Feld, Hunderte …

Weltbürgerin wider Willen: Alexander Osangs deutsch-russische Familiengeschichte

Von Lutz Lichtenberger

Von Berlin aus ist er in die ganze Welt gefahren, nach New York, London und Jerusalem, schrieb unzählige Reportagen für das Magazin Der Spiegel, nahm drei Mal den Egon-Erwin-Preis entgegen – sein plauderhafter, aber von genauer Beobachtung getragener Stil wird an Journalistenschulen gelehrt. Alexander Osang ist, mit allen guten und schlechten Klischees, die mit dem Wort verbunden werden können, ein Starreporter, ein Name, den in Deutschland auch die Menschen …

Eine der besten Modeschulen der Welt – Inna Thomas‘ Fashion Design Institut in Düsseldorf – wird zehn Jahre alt

Von Daria Boll-Palievskaya

Sie ist 1,85 m groß, hat hohe Wangenknochen, eine stolze Haltung und Katzenaugen. Kein Wunder also, dass die diplomierte Historikerin und Designerin Inna Thomas in ihrer Heimat Saratow als Model arbeitete. Aber die junge Frau merkte schnell: Nähen bereitet ihr viel mehr Freude, als die Kleidung anderer Leute auf dem Laufsteg zu zeigen. Wenn aber damals jemand gesagt hätte, dass sie ein Modeinstitut in Deutschland leiten würde, hätte sie es …

Wie der Offizier Stanislaw Petrow durch besonnenes Ignorieren von Alarmmeldungen einen Atomkrieg verhinderte

Von Christian Wernicke

Der Park an der Vestischen Straße macht nicht viel her, der graue Schotterweg durch Oberhausen-Osterfeld verspricht keine Sensationen. Aber genau dort, in Höhe des Hauses Nummer 137, stoßen Spaziergänger am Wegesrand auf ein Stück Weltgeschichte. Seit dem 19. Mai 2019 steht dort eine Gedenktafel, die in drei Sprachen – Deutsch, Englisch und Russisch – an Stanislaw Petrow erinnert: „The man who saved the world“ heißt es auch in der deutschen …

Der acht Meter hohe Obelisk eines sowjetischen Ehrenmals steht vor dem Nordeingang von Stralsunds größter Kirche, weshalb die Christen ihn nicht nutzen möchten

Von André Hatting

Es ist stürmisch an diesem grauen Donnerstagmorgen auf dem Neuen Markt in Stralsund. Der Wind bläst aus westlicher Richtung – am Westende liegt traditionell der Eingang fast aller christlichen Gotteshäuser. Das ist bei der imposanten Marienkirche, im Volksmund „die Mächtige“ genannt, nicht anders. Denn im Osten steht der Altar und von dort kommen das Licht – und der Heiland. So ähnlich hat man es mal im Konfirmationsunterricht gelernt.

Alles schön …

Ein geschundener Ort: Die Gedenkstätte Seelower Höhen in Brandenburg

Ein geschundener Ort: Die Gedenkstätte Seelower Höhen in Brandenburg
Von Nana Brink

Das Oderbruch in Brandenburg wird im Winter und Frühjahr 1945 zum Schauplatz für die größte Schlacht auf deutschem Boden. Mehr als zwei Monate lang toben die Kämpfe zwischen der Wehrmacht und der Roten Armee. In der viertägigen „Schlacht um die Seelower Höhen“ (16. bis 19. April) stehen mehr als eine Million Rotarmisten 120 000 Soldaten der Wehrmacht gegenüber.

Der Kampf um den Weg in die Hauptstadt Berlin ist blutig: Rund …

Auf immer und ewig: Das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park in Berlin

Auf immer und ewig: Das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park in Berlin
Von Nana Brink

Die „Schlacht um Berlin“, die von der Eroberung der Seelower Höhen am 16. April bis zum 2. Mai 1945 dauert, ist eine der blutigsten Militäroperationen der Geschichte. Rund 170 000 Soldaten, darunter 80 000 Rotarmisten, finden den Tod, neben zehntausenden zivilen Opfern. Viele sowjetische Gefallene finden ihre letzte Ruhestätte an vier zentralen Gedenkorten in Berlin: im Treptower Park (1), in der Schönholzer Heide (2), im Tiergarten unweit des Brandenburger Tors …

Rhein-Gold

Von Daria Boll-Palievskaya

Die Deutsche Oper am Rhein und die Helikon-Oper aus Moskau verbindet eine enge künstlerische Freundschaft. Intendant Christoph Meyer über die Kooperation beider Häuser, die „russische Spur“ im Düsseldorfer Opernhaus und seine Liebe zur russischen Musik

Petersburger Dialog: Im April dieses Jahres haben Sie einen Kooperationsvertrag mit der Helikon-Oper unterzeichnet. Wie kam es dazu?

Christoph Meyer: Unser Kooperationsvertrag ist im Rahmen des russischen Kulturfestivals „Russian Seasons“ entstanden, das 2019 in Deutschland …