Freitag, 20. September, 2019
Feuilleton

Wie der Offizier Stanislaw Petrow durch besonnenes Ignorieren von Alarmmeldungen einen Atomkrieg verhinderte

Von Christian Wernicke

Der Park an der Vestischen Straße macht nicht viel her, der graue Schotterweg durch Oberhausen-Osterfeld verspricht keine Sensationen. Aber genau dort, in Höhe des Hauses Nummer 137, stoßen Spaziergänger am Wegesrand auf ein Stück Weltgeschichte. Seit dem 19. Mai 2019 steht dort eine Gedenktafel, die in drei Sprachen – Deutsch, Englisch und Russisch – an Stanislaw Petrow erinnert: „The man who saved the world“ heißt es auch in der deutschen …

Der acht Meter hohe Obelisk eines sowjetischen Ehrenmals steht vor dem Nordeingang von Stralsunds größter Kirche, weshalb die Christen ihn nicht nutzen möchten

Von André Hatting

Es ist stürmisch an diesem grauen Donnerstagmorgen auf dem Neuen Markt in Stralsund. Der Wind bläst aus westlicher Richtung – am Westende liegt traditionell der Eingang fast aller christlichen Gotteshäuser. Das ist bei der imposanten Marienkirche, im Volksmund „die Mächtige“ genannt, nicht anders. Denn im Osten steht der Altar und von dort kommen das Licht – und der Heiland. So ähnlich hat man es mal im Konfirmationsunterricht gelernt.

Alles schön …

Ein geschundener Ort: Die Gedenkstätte Seelower Höhen in Brandenburg

Ein geschundener Ort: Die Gedenkstätte Seelower Höhen in Brandenburg
Von Nana Brink

Das Oderbruch in Brandenburg wird im Winter und Frühjahr 1945 zum Schauplatz für die größte Schlacht auf deutschem Boden. Mehr als zwei Monate lang toben die Kämpfe zwischen der Wehrmacht und der Roten Armee. In der viertägigen „Schlacht um die Seelower Höhen“ (16. bis 19. April) stehen mehr als eine Million Rotarmisten 120 000 Soldaten der Wehrmacht gegenüber.

Der Kampf um den Weg in die Hauptstadt Berlin ist blutig: Rund …

Auf immer und ewig: Das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park in Berlin

Auf immer und ewig: Das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park in Berlin
Von Nana Brink

Die „Schlacht um Berlin“, die von der Eroberung der Seelower Höhen am 16. April bis zum 2. Mai 1945 dauert, ist eine der blutigsten Militäroperationen der Geschichte. Rund 170 000 Soldaten, darunter 80 000 Rotarmisten, finden den Tod, neben zehntausenden zivilen Opfern. Viele sowjetische Gefallene finden ihre letzte Ruhestätte an vier zentralen Gedenkorten in Berlin: im Treptower Park (1), in der Schönholzer Heide (2), im Tiergarten unweit des Brandenburger Tors …

Rhein-Gold

Von Daria Boll-Palievskaya

Die Deutsche Oper am Rhein und die Helikon-Oper aus Moskau verbindet eine enge künstlerische Freundschaft. Intendant Christoph Meyer über die Kooperation beider Häuser, die „russische Spur“ im Düsseldorfer Opernhaus und seine Liebe zur russischen Musik

Petersburger Dialog: Im April dieses Jahres haben Sie einen Kooperationsvertrag mit der Helikon-Oper unterzeichnet. Wie kam es dazu?

Christoph Meyer: Unser Kooperationsvertrag ist im Rahmen des russischen Kulturfestivals „Russian Seasons“ entstanden, das 2019 in Deutschland …

Haben die Westalliierten einen unangenehmen Abschiedsbrief von Rudolf Heß unterschlagen?

Von Andrej Plotnikow

Das Urteil des Internationalen Militärgerichtshofs in Nürnberg gegen Rudolf Heß lautete auf lebenslänglich. Gemeinsam mit sechs weiteren Hauptkriegsverbrechern der NSDAP wurde der „Stellvertreter des Führers“ am 18. Juli 1947 in einem Flugzeug der britischen Royal Air Force nach Berlin gebracht. Am Flughafen stiegen sie unter schärfster Bewachung in einen Bus, der sie in ein Gefängnis im Westen von Berlin fuhr, das von diesem Zeitpunkt an den Namen Kriegsverbrechergefängnis Spandau tragen …

Wie Fake News entstehen und was die Medien aus dem Fall Relotius lernen können – deutsche wie russische gleichermaßen

Von Artem Sokolov

Im Dezember 2018 erlebten die deutschen Medien wohl einen der aufsehenerregendsten Skandale der neueren Geschichte. Der Spiegel-Reporter Claas Relotius legte ein schockierendes Geständnis ab: Ein wesentlicher Teil der von ihm verfassten Artikel enthalte mehr oder weniger zweifelhafte bis vollständig erfundene Fakten. Zu dieser Erklärung zwang ihn das Ergebnis der Recherche seines Kollegen Juan Moreno, der Relotius nachwies, dass er in seiner Reportage über amerikanische Bürgerwehren an der Grenze zwischen …

Seit mehr als 70 Jahren werden Sprachmittler in Leipzig ausgebildet, doch der letzten Akademikerschmiede für Russisch-Dolmetscher in Ostdeutschland droht das Aus

Seit mehr als 70 Jahren werden Sprachmittler in Leipzig ausgebildet, doch der letzten Akademikerschmiede für Russisch-Dolmetscher in Ostdeutschland droht das Aus
Von Winfried Mahr

Russisch-Übersetzer sind sehr gefragt, aber deren akademische Ausbildung Sachsen könnte bald vorbei sein. Der letzten Ausbildungsstätte für Russischdolmetscher in den neuen Bundesländern droht das Aus. Noch wird nach einer Lösung gesucht, um den traditionsreichen Sprachschwerpunkt Russisch am Leipziger Institut für Angewandte Linguistik und Translatologie (IALT) nach mehr als sechs Jahrzehnten nicht für immer verstummen zu lassen.

In einer Online-Petition an das Uni-Rektorat warnen angehende Russisch-Dolmetscher vor der Schließung als „Rückschritt …

Persönlichkeitswerdung: Oleg Senzow gibt Einblicke in seine Kindheit und Jugend

Persönlichkeitswerdung: Oleg Senzow gibt Einblicke in seine Kindheit und Jugend
Von Peter Koepf

Seit bald fünf Jahren ist Oleg Senzow Gefangener des Landes, das seine Heimat annektiert hat, die Krim. Das Urteil gegen den Filmregisseur und Autor am 25. August 2015 lautete: 20 Jahre Straflager. Es erging, wie der ukrainische Schriftsteller Andrej Kurkow im Vorwort von Senzows Buch „Leben“ schreibt, „vor allem dafür, „dass er, ein ethnischer Russe und Bewohner der Krim, es gewagt hatte, mit der Annexion seiner Heimat nicht einverstanden zu …

Los von Moskau: In der Ukraine formiert sich eine neue orthodoxe Kirche, für das Moskauer Patriarchat ist das Häresie

Los von Moskau: In der Ukraine formiert sich eine neue orthodoxe Kirche, für das Moskauer Patriarchat ist das Häresie
Von Gerhard Gnauck

Die größten Schätze der orthodoxen Christenheit sind – viele Touristen wissen das – die prächtigen Lawra-Klöster. Die Russische Orthodoxe Kirche verfügt über fünf dieser Lawras. Solange der russische Machtbereich expandierte, vom kleinen Großfürstentum Moskau bis zur späten Sowjetunion, kamen immer neue Klöster und Gotteshäuser zum Besitzstand dieser Kirche hinzu. Doch mit dem Ende des Zarenreichs und erst recht jenem der Sowjetunion zog sich die Staatsgrenze, bildlich gesprochen, hinter die Klostermauern …