Sonntag, 15. Dezember, 2019

Auf immer und ewig: Das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park in Berlin

Von Nana Brink

Die „Schlacht um Berlin“, die von der Eroberung der Seelower Höhen am 16. April bis zum 2. Mai 1945 dauert, ist eine der blutigsten Militäroperationen der Geschichte. Rund 170 000 Soldaten, darunter 80 000 Rotarmisten, finden den Tod, neben zehntausenden zivilen Opfern. Viele sowjetische Gefallene finden ihre letzte Ruhestätte an vier zentralen Gedenkorten in Berlin: im Treptower Park (1), in der Schönholzer Heide (2), im Tiergarten unweit des Brandenburger Tors (3) und am Bucher Schloss. Von Anfang an plant die Rote Armee, die Soldatenfriedhöfe auch als Ehrenmale zu gestalten.

Umrahmt von hohen Bäumen und sattgrünen Wiesen betritt man das Mahnmal im Treptower Park durch einen großen Triumphbogen und liest auf einer Tafel: Hier ruhen die Soldaten, „die für Freiheit und Unabhängigkeit der sozialistischen Heimat gefallen sind“. Mittelpunkt der zehn Hektar großen Anlage, die 1949 fertig gestellt wird, ist ein Hügel mit einer zwölf Meter hohen Skulptur. Man sieht einen sowjetischen Soldaten, mit einem Schwert in der rechten Hand und einem kleinen Mädchen auf dem linken Arm. Unter seinen Stiefeln zerfällt ein großes Hakenkreuz. Darauf zulaufend zieht sich eine Allee mit 16 weißen Sarkophagen, deren Reliefs die Geschichte des „Großen Vaterländischen Krieges“ erzählen. Bis heute sind die golden eingravierten Zitate von Josef Stalin darauf sichtbar.

Zu DDR-Zeiten ist das Ehrenmal immer wieder Schauplatz für politische Großveranstaltungen. Neben den obligatorischen Kranzniederlegungen an den Gedenktagen, meist zusammen mit Vertretern des Warschauer Pakts, nutzt die SED-Führung das riesige Areal auch für ihre eigenen Propagandazwecke. Zum 40. Jahrestag des Kriegsendes 1985 organisiert die FDJ einen Fackelzug rund um das Denkmal. Die Jugend soll auf den Sozialismus und die Waffenbrüderschaft mit der Sowjetunion eingeschworen werden.

Im August 1994 werden die russischen Truppen im Treptower Park mit militärischen Ehren aus Deutschland verabschiedet. Zuvor wird in den Zwei-plus-Vier-Verträgen vereinbart, dass die Bundesrepublik die sowjetischen Kriegerdenkmäler in Deutschland erhält und für deren Unterhalt sorgt. Wichtiges Detail: Ohne Zustimmung der russischen Seite dürfen die Ehrenmale weder verändert noch entfernt werden. Bis zum Jahr 2004 gibt die Bundesregierung allein für die Sanierung des Sowjetischen Ehrenmals in Treptow elf Millionen Euro aus.

LITERATUR Steffi Töpfer: „Das sowjetische Ehrenmal im Treptower Park in Berlin. Anlage, Formensprache und ikonographische Tradition“, in: Troebst, Stefan; Wolf, Johanna (Hg.): „Erinnern an den Zweiten Weltkrieg. Mahnmale und Museen in Mittel- und Osteuropa“, Leipzig 2011